Trachten
Wenn man ein Dirndl oder eine Lederhose sieht, denkt man meist sofort an Tracht. Doch was ist Tracht eigentlich mit Blick auf unsere moderne Gesellschaft? Ganz verschwommen und landläufig benutzt man den Begriff oft, um eine wie auch immer traditionell anmutende Kleidung zu beschreiben, die regionale Unterschiede kennt und eher in die ländliche Gegend gehört. Doch Tracht ist weit mehr als das.
Der Versuch einer Rekonstruktion
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann eine Trachtenbewegung sich zu formieren und man bemühte sich je nach Herkunft die letzten Überbleibsel alter Manifestationen zu bewahren und vor dem Verschwinden zu schützen. Dabei stütze man sich auf noch gut erhaltene Quellen und teilweise sogar noch auf Zeitzeugen. Das Problem, das damit einherging und einhergeht, ist, dass man in vielen Trachtenvereinen daher davon ausgeht, die vom Verein wiederbelebte Tracht der Region XX sei die einzig gültige. Doch anzunehmen, für jede Gegend gäbe es nur eine einzige gültige Tracht, wird dem Begriff an und für sich nicht gerecht. Denn so wie es im 19. Jahrhundert eine Tracht gab, gab es sie auch – natürlich in veränderter Form – im 18. Jahrhundert.
„Echte“ Tracht
Ist diese Tracht dann „falsch“? Natürlich nicht. Viel besser wäre es, Tracht wie Mode zu behandeln: Es gibt nicht „die Mode“, sondern nur eine aktuell vorherrschende Tendenz. Das gilt auch für die Tracht, wie beispielsweise die Münchner Tracht aus den Jahren 1638, 1760 oder 1830. Ähnlich verhält es sich bei der Augsburger Tracht von 1687, 1732 oder 1817. Möchte man also Trachtenkleidung rekonstruieren, so genügt es nicht, sich für eine bestimmte Region zu entscheiden. Man muss sich auch auf eine Zeit festlegen und die dort verwendeten Materialen, Schnitte und Herstellungsverfahren berücksichtigen. Nur dann kann die Tracht „echt“ sein
